Das Schweizer Modell im Vergleich zu den europäischen e-IDs
Schon wieder! Nach der deutlichen Ablehnung an der Urne im März 2021 (64,5%) wird die Schweizer elektronische Identität (e-ID) am 28. September erneut dem Volksentscheid unterzogen. Ein weiteres Kapitel also in einer verschlungenen und chaotischen Geschichte. Die neue Version der Schweizer e-ID ermöglicht dir, wenn du eine Schweizer Identitätskarte, einen Schweizer Pass oder eine Aufenthaltsbewilligung besitzt, kostenlos eine elektronische Identität zu erhalten. Über die reine Digitalisierung der Ausweisdokumente hinaus ist die e-ID Teil einer eigentlichen Vertrauensinfrastruktur, die die Vereinfachung und Beschleunigung administrativer Prozesse im öffentlichen wie auch im privaten Bereich erlaubt.
Dafür wird diese e-ID, die deine AHV-Nummer enthält, vollständig in die Verantwortung des Bundes gelegt. Er wird die elektronischen Identitäten herausgeben und die notwendige technische Infrastruktur betreiben. Der Bundesrat versichert, dass die Nutzung der elektronischen Identität freiwillig bleibt, aber alle Behörden – auch kantonale und kommunale – verpflichtet sein werden, sie zu akzeptieren, sobald sie digitale Identifizierung einsetzen. Auch der Privatsektor kann digitale Nachweise ausstellen.
Mit dieser Verstaatlichung will der Bundesrat Vertrauen schaffen. Denn gemäss dem Prinzip der «souveränen Identität» wirst du die volle Kontrolle über deine Daten behalten, die dezentral auf deinem Mobiltelefon gespeichert und nicht zentral in einer staatlichen Datenbank gesammelt werden, wie das Bündnis betont. Zudem ist die verwendete technologische Infrastruktur offen zugänglich. Wenn die neue e-ID eine Minderheit noch nicht überzeugt, scheint sie heute dennoch weitgehend Konsens zu finden. Reicht das, um sie unter die drei führenden Lösungen zu heben? In Europa und weltweit haben viele Länder bereits eigene Lösungen nach unterschiedlichen Ausgabemodellen entwickelt und eingeführt. Wie schneiden sie im Vergleich zur Schweiz ab?
Im Bereich E-Government bleibt Estland ein Paradebeispiel. Das baltische Land beweist, dass eine digitale Identität, die alle gesellschaftlichen Akteure einbezieht, möglich ist. Der ehemalige Sowjetstaat, der 1991 unabhängig wurde, hat sich völlig neu aufgebaut, um im Laufe der Jahre zur Avantgarde der digitalen Identität zu werden: Steuern zahlen, Zugang zu öffentlichen Verkehrsmitteln, Bildung, Subventionsgesuche, Gesundheit … die Bevölkerung authentifiziert sich mit einer einzigen digitalen Identitätskarte. Heute haben Estinnen und Esten Zugang zu mehr als 99% der staatlichen Dienstleistungen. Diese dürfen die Daten der Bürger austauschen, solange sie die betroffenen Personen informieren.
Bei der Einführung seiner elektronischen Identität im Jahr 2010 konnte Deutschland seine Bürger nicht überzeugen. Die Gründe? Komplexität der Identifizierung, hohe Kosten der Lösung, Konkurrenz durch private Alternativen und Sicherheitslücken, die Identitätsdiebstahl ermöglichten. Anderswo führte die belgische Regierung 2023 das staatliche Identitätsportfolio myID.be ein. Diese belgische e-ID ergänzt Itsme, die bereits bestehende mobile elektronische Identitäts-App. Eine Doppelspurigkeit, die die Akzeptanz in der Bevölkerung beeinträchtigen könnte.
Die skandinavischen Länder haben auf den Erfolg einer öffentlich-privaten Partnerschaft gesetzt. Anfang der 2000er Jahre entwickelten grosse Banken in Schweden und Dänemark eine gemeinsame Plattform namens BankID. Unter dem Impuls eines von den betreffenden Regierungen gewünschten rechtlichen Rahmens wurde die Lösung rasch erweitert: Bankgeschäfte, öffentliche Dienste, Zugang zu medizinischen Daten, Vertragsunterzeichnung usw. Die App wird von der Bevölkerung häufiger genutzt als soziale Netzwerke. Der Grund für diesen Erfolg: ein pragmatischer Ansatz, der auf bestehenden Infrastrukturen aufbaut, einfache Umsetzung und eine wirksame öffentlich-private Partnerschaft.
Seit seiner Einführung im Jahr 2016 vereint das italienische Sistema Pubblico di Identità Digitale (SPID) elf vom Staat zugelassene Identitätsanbieter. Heute wird es von mehr als 35 Millionen Italienerinnen und Italienern genutzt und ermöglicht den Zugang zu über 14’000 öffentlichen Verwaltungen und 167 privaten Unternehmen. Die elektronische Identitätskarte (CIE) sowie eine zugehörige mobile App ergänzen das Angebot, konnten aber nicht die gleiche Akzeptanz finden. Auch Österreich hat sich mit einer e-ID ausgestattet. Sein System, ID Austria genannt, ermöglicht es österreichischen Bürgerinnen und Bürgern, sich online sicher zu identifizieren, um auf verschiedene digitale Dienste im öffentlichen wie auch im privaten Sektor zuzugreifen.
Nach der Einführung von France Connect im Jahr 2016 bietet die französische Regierung heute France Connect+ an. Damit wird das System für öffentliche und private Identitätsanbieter geöffnet, die von der nationalen Agentur für die Sicherheit der Informationssysteme (ANSSI), dem französischen Pendant zum Bundesamt für Cybersicherheit, zertifiziert sind. Französische Bürgerinnen und Bürger können ihren Identitätsanbieter nach Sensibilität, Nutzung oder Vertrauen auswählen. Mit 42 Millionen Nutzerinnen und Nutzern basiert dieser Ansatz auf einer engen öffentlich-privaten Zusammenarbeit.
All diese europäischen Lösungen müssen nun mit eIDAS 2.0 koexistieren, der aktualisierten Version der europäischen Verordnung über elektronische Identifizierung und Vertrauensdienste. Diese trat am 20. Mai 2024 in Kraft und soll Sicherheit, Interoperabilität und Vertrauen in digitale Dienste innerhalb der Europäischen Union stärken. Sie bringt bedeutende Neuerungen wie die europäische digitale Identitäts-Wallet (EUDI Wallet), also einen persönlichen digitalen Raum, in dem offizielle Dokumente und Identitätsnachweise gespeichert werden, um Identitätsprüfungen zu vereinfachen, zu beschleunigen und sicherer zu machen.
Das EUDI Wallet wird die bereits in den Mitgliedstaaten bestehenden elektronischen Identitätsdienste nicht ersetzen. Diese dienen als Grundlage für die Entwicklung der digitalen EU-Wallet. Zurück in die Schweiz, wo die e-ID eine Identifizierung über ein einziges Verfahren bei einer Vielzahl von Online-Diensten ermöglichen soll – anstelle der heutigen Vielzahl von Passwörtern. In der physischen Welt liegt diese Identität in der Verantwortung des Staates. Wie aber in der digitalen Welt? Allein die Vielfalt der bestehenden europäischen E-Government-Strategien könnte beunruhigen. Vielleicht ist es aber gerade umgekehrt, da diese Lösungen offene Labore darstellen, die Aktualisierungen und Weiterentwicklungen ermöglichen, um das Angebot und das Vertrauen in die digitale Welt weiter zu stärken.
Softcom unterstützt die neue Schweizer e-ID. Indem sie auf die Hauptkritikpunkte eingegangen ist, konnte sie überzeugen und uns ermöglichen, gemeinsam eine vertrauenswürdige digitale Zukunft zu gestalten.
Mehr Informationen hier: https://www.ja-zur-eid.ch/de






